Der in Wiesbaden geborene Sally Großhut war der erste Jude, der von der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik (auch zuständig für einzelne Ballsportarten) mit der Handball-Ehrennadel ausgezeichnet wurde. Kurz nachdem er diese Auszeichnung 1932 erhalten hatte, durften die Mannschaften des von Sally Großhut gegründeten Handballvereins „haKoah“ Wiesbaden (hebr. „die Kraft“) nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen, weil es sich um einen jüdischen Sportverein handelte. Sally Großhut hatte 1926 den Verein gegründet und gehofft, durch die Begegnung im Sport Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden abzubauen.

„haKoah“ Wiesbaden als erster jüdischer Sportverein in Wiesbaden

Die Gründung eines jüdischen Sportvereins stieß vor allem bei assimilierten Jüdinnen und Juden auf Widerstand. Der Verein war trotzdem sehr beliebt und hatte 1928 wohl über 500 Mitglieder. Jüdinnen und Juden waren im Sportverein aktiv, weil zum Beispiel an Schabbat und jüdischen Feiertagen nicht trainiert wurde. Nicht-jüdische Vereine planten Spieltage auch an Samstagen.

Besonders erfolgreich war die erste Herren-Handballmannschaft von „haKoah“ Wiesbaden. Sie spielte sich schnell in die Bezirksliga und wurde hier oft Meister. Ihre Spieler, insbesondere Sally Großhut, wurden in die städtischen Auswahlmannschaften berufen. Seit 1927 gab es ebenfalls eine Frauen-Fußballmannschaft im Verein. 1928 feierte das Team ihren ersten Erfolg gegen die Mannschaft der „Sportfreunde Mainz“. Als Trainingsstätten standen den Damen-, Herren- und Jugendteams der Sportplatz an der Lahnstraße sowie die Städtische Turnhalle zur Verfügung.

1933 wurde „haKoah“ Wiesbaden von der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik ausgeschlossen. Jüdische Sportvereine organisierten sich daraufhin selbst unter dem Dach des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“. Der Verein nannte sich ab November 1933 Schild Wiesbaden. Jüdische Sportvereine wurden aus dem allgemeinen Ligabetrieb verdrängt. Ihre Teams durften nur noch gegen Mannschaften aus anderen jüdischen Sportvereinen antreten. 1938 fand wohl die letzte Jahreshauptversammlung von Schild Wiesbaden statt. Seine Mitglieder wurden von den Nationalsozialisten gezwungen, Deutschland zu verlassen oder sie wurden deportiert und ermordet.

Wiedergründung der jüdischen Sportbewegung in Wiesbaden

Der erste jüdische Sportverein in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstand 1961 mit der Wiedergründung von TuS Makkabi Düsseldorf. Die Vereinsgeschichte geht bis in das Jahr 1923 zurück. Makkabi Düsseldorf musste sich 1939 auflösen. Weitere Clubs in Frankfurt am Main und München folgten. Gemeinsam gründeten die Sportvereine 1965 den jüdischen Sportverband „Makkabi Deutschland“, der bis heute aktiv ist.

1969 nahm erstmals wieder eine deutsche Mannschaft an der „Makkabiah“ (auch Makkabiade) in Israel teil. Die erste „Makkabiah“ fand 1932 statt. Seit 1953 treffen sich jüdische Sportlerinnen und Sportler alle vier Jahre in Israel und treten in verschiedenen sportlichen Wettkämpfen gegeneinander an. Die „Makkabiade“ ist die größte jüdische Sportveranstaltung weltweit. Sie ist vergleichbar mit den Olympischen Spielen. Seit 1929 gibt es außerdem die „European Maccabi Games“. Sie finden seit ihrer Wiedergründung 1959 regelmäßig in einer anderen europäischen Stadt statt.

Wie in vielen deutschen Städten entstand nach der Shoah auch in Wiesbaden ein jüdischer Sportverein. TuS Makkabi Wiesbaden wurde 1996 gegründet. Besonders erfolgreich sind die Junioren der Schachabteilung. Daneben bietet Makkabi Wiesbaden Fitness, Turnen und Wassergymnastik an.

Text: Dr. Katherine Lukat, Stadtarchiv Wiesbaden

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