„Gesher | Perspektivwechsel 1869 – 1938 – 1946“

„Gesher“ ist Hebräisch und bedeutet Brücke. Das Projekt zeigt die alte Wiesbadener Synagoge, die im Nationalsozialismus zerstört wurde. „Gesher“ erzählt von jüdischem Leben damals und heute.

Die Synagoge – Sinnbild der Emanzipation des Judentums Ende des 19. Jahrhunderts

Bild: Gitternetzmodell auf einer Postkarte (StadtA WI F000-3174) © Werkgemeinschaft VierterRaum

„Gesher“ visualisiert die 1938 zerstörte alte Synagoge am Michelsberg in Wiesbaden als Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR).  „Gesher“ ist ein Projekt der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden in Kooperation mit dem Stadtarchiv Wiesbaden.

Die 1869 erbaute Synagoge war Sinnbild der Emanzipation des Judentums Ende des 19. Jahrhunderts in Nassau. Das große, maurische Gebäude war für die jüdische Gemeinschaft Ausdruck des Lösens aus jahrhundertelanger Unterdrückung und Diskriminierung. Im krassen Gegensatz dazu steht die Zerstörung der Synagoge 1938, die als Symbol für die Vernichtung allen jüdischen Lebens in Europa gelten muss. 1946 konnte jüdisches Leben in Wiesbaden wiederentstehen.

Authentizität schaffen

Das Verschwinden von Zeitzeug:innen hinterlässt eine Lücke, die niemals vollständig geschlossen werden kann. Sie kann durch andere Authentizitätsträger dennoch angefüllt werden. Schrift-, Bild- und Tondokumente, aber auch Orte schaffen auf eine eigene Art Authentizität. „Gesher“ präsentiert ganz persönliche Zeitzeugnisse, ebenso wie Archivmaterial, Audio- und Videoaufnahmen. Das Projekt erzählt die Geschichte der Jüdischen Gemeinschaft Wiesbadens und zeigt heutiges jüdisches Leben. Es verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Indem „Gesher“ die Rekonstruktion der Synagoge mit der heute an ihrem ehemaligen Standort befindlichen Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden verknüpft, wird das die Geschichte des Ortes aufgreifende Konzept der Gedenkstätte unterstrichen, sodass ein informativer Mehrwert entsteht.

Durch die Einbettung der Synagoge in die heutige Umgebung über Augmented Reality werden Größe und Umfang des Baus verdeutlicht. Eine Vermittlung dieser Perspektiven auf Grundlage historischer Bilder und Postkarten ist kaum möglich. „Gesher“ verdeutlicht, dass der ehemalige Standort der Synagoge nach 1945 aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden war. Der Bauplatz wurde zugunsten einer autofreundlichen Innenstadtbebauung mit einer Hochstraße überbaut. Heute führt die Coulinstraße mitten durch den Standort der Synagoge. Das heutige Erscheinungsbild des Ortes dokumentiert den Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit den Verbrechen in der NS-Zeit.

Ein Projekt über jüdisches Leben in Wiesbaden

„Gesher“ will zeigen, dass die Schoah nicht für jüdisches Leben steht, es ohne sie aber nicht gedacht werden kann. Die Schoah ist eine Zäsur, die jüdisches Leben für immer verändert und Kulturgut unwiederbringlich zerstört hat. Diesen Bruch berücksichtigt das Projekt, indem es vielfältige Bereiche jüdischen Lebens damals und heute betrachtet.

Bild: Die alte Synagoge am Michelsberg, Wiesbaden. StadtA WI F000-3174, Foto: unbekannt.

Ein Projekt der

Jüdischen Gemeine Wiesbaden

In Kooperation mit

Stadtarchiv Wiesbaden

Das Projekt ist gefördert durch:

Mediales Konzept und Realisation

Werkgemeinschaft VierterRaum

Text: Dr. Katherine Lukat, Stadtarchiv Wiesbaden

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