A


Alt-Israelitische Kultusgemeinde

Nach ihrem Austritt aus der Israelitischen Kultusgemeinde, die die Synagoge am Michelsberg nutzte, nannten die etwa 40 Familien die 1876 gegründete neue Gemeinde Alt-Israelitische Kultusgemeinde. Alt-Israelitisch bedeutet, dass sich die Gemeinde gesetzestreu ausrichtete. Ihre Mitglieder achteten die jüdischen Traditionen.

Ashkenasische Juden

Ashkenasim bezeichnet Juden und ihre Nachfahren aus Mittel-, Nord- und Osteuropa. Als Ashkenas wurde unter anderem im Mittelalter das Gebiet bezeichnet, das wir heute Deutschland nennen.

B

Bar Mizwa und Bat Mizwa

Bar Mizwa, für Mädchen Bat Mizwa, bezeichnet die religiöse Mündigkeit. Jungen erreichen sie im Alter von dreizehn Jahren, Mädchen im Alter von zwölf Jahren. Bar und Bat Mitzwa bezeichnet sowohl den Status als auch den Tag und die Feier, an dem die Religionsmündigkeit eintritt. Jungen werden, wenn sie Bar Mizwa sind, im Gottesdienst zum Lesen der Tora aufgerufen. Die Bat Mizwa ist als eigenständige Feier erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts üblich. Auch im orthodoxen Judentum wird Bat Mizwa gefeiert.

Bima

Von der Bima (hebr. für Bühne) aus wird die Tora gelesen. Auf der Bima steht ein Lesepult zum Ablegen der Torarolle.

Bundeslade

Die Bundeslade, oder Bundestruhe, war ein Behältnis, das nach göttlicher Anweisung entworfen wurde. Sie enthielt unter anderem die zwei Steintafeln, auf denen die Zehn Gebote, die Moses von Gott erhalten hatte, geschrieben standen.

C


Chanukka und Chanukkia

Chanukka (deutsch Weihung, Einweihung) oder Lichterfest ist ein acht Tage dauerndes, jährlich gefeiertes Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor unserer Zeit beziehungsweise im Jahr 3597 nach jüdischer Zeitrechnung.

Das Fest ist eng mit dem sogenannten Chanukkawunder verbunden. Die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, sollte niemals erlöschen. Es war bei der Wiedereinweihung des zweiten Tempels wegen der Kämpfe um das Land Judäa aber nur noch ein Krug geweihtes Öl im Tempel. Dieses Öl reichte nur für einen Tag. Für die Herstellung neuen geweihten Öls brauchte man acht Tage. Durch ein Wunder habe das Licht trotzdem acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt war. Daran erinnern die acht Lichter des 9-armigen Leuchters Chanukkia. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht brennen. Die Kerze auf dem neunten Arm dient als Anzünder.

Kohen/Cohen

Cohen (Plural Cohanim) ist die biblische Bezeichnung eines jüdischen Priesters. Cohanim waren für den Tempeldienst zur Zeit des Jerusalemer Tempels zuständig.

E

Einheitsgemeinde

Das sogenannte Autonomiegesetz von 1847 erlaubte den Juden nur eine jüdische Gemeinde pro Ort zu betreiben. Alle Juden mussten ihr angehören.

Nach der Gesetzesänderung 1876 entstanden in Städten, in denen es große jüdische Gemeinden gab, sogenannte „Austrittsgemeinden“. In Wiesbaden gründete sich die erste „Austrittsgemeinde“ in Preußen. 

Nach der Shoah wurden Jüdische Gemeinden wiedergegründet, die sich selbst als „Einheitsgemeinden“ verstanden. Sie folgten der orthodoxen Richtung. Heute können Juden aller in Deutschland anerkannten Strömungen Mitglied in den Einheitsgemeinden – von liberal bis orthodox.

Ewiges Licht

Das Ewige Licht (hebr. Ner Tamid) erinnert an die Menora, die stets im Tempel in Jerusalem brannte. Es war ursprünglich in einer Nische an der Westwand der Synagoge zur Erinnerung an die Lage der Menora im Tempel angebracht. Später wurde es dann vor der heiligen Lade aufgestellt.

F

Frauenempore

Frauen und Männer sitzen in orthodox geführten Gemeinden während des Gottesdienstes getrennt. Diese Trennung gab es bereits im Jerusalemer Tempel.

Emporen sind Frauen vorbehalten. Anders als Männer sind sie nicht verpflichtet, am Gottesdienst teilzunehmen. Die Empore soll ermöglichen, später zum Gottesdienst zu kommen oder früher zu gehen, wenn es zum Beispiel die Versorgung eines Kindes erfordert.

H

Hebräische Bibel

Der Tanach ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel. Es handelt sich um die Sammlung Heiliger Schriften des Judentums. Der Tanach besteht aus drei Teilen: Tora (Weisung), Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften).

Der Tanach enthält insgesamt 24 Bücher, die vorwiegend in hebräischer Sprache verfasst sind.

Oft wird die Hebräische Bibel auch als Altes Testament bezeichnet.

I


Israelitische Kultusgemeinde

Israelitische Kultusgemeinde ist ein Synonym für Jüdische Gemeinde.

J


Jom Kippur

Jom Kippur (deutsch „Tag der Sühne“), zumeist Versöhnungstag oder Versöhnungsfest, ist der höchste jüdische Feiertag. Er wird als strenger Ruhe- und Fastentag in der Synagoge begangen. Zusammen mit dem zehn Tage davor stattfindenden Neujahrsfest Rosch HaSchana gehört er zu den Hohen Feiertagen.

K


Kiddusch

Als Kiddusch (deutsch wörtlich „Heiligung“) wird der Segensspruch über einen Becher Wein bezeichnet, mit dem der Schabbat und die jüdischen Feiertage eingeleitet werden. Der Kiddusch wird unmittelbar vor der Mahlzeit zuhause gesprochen.

Kippa

Die Kippa ist die kleine kreisförmige Kopfbedeckung der Juden. Sie drückt Ehrfurcht vor Gott aus und ist ein Zeichen dafür, dass Gott über dem Menschen steht. Traditionell wird die Kippa von Männern den ganzen Tag getragen.

Beim Gebet, dem Studium religiöser Texte und während eines Synagogen- oder Friedhofsbesuchs muss die Kopfbedeckung getragen werden. Es ist verpflichtender religiöser Brauch, aber keine religionsgesetzliche Vorschrift. Männer müssen nicht unbedingt eine Kippa tragen – Basecap oder Hut gehen auch.

Koscher

Als koscher (wörtlich: „tauglich“) werden unter anderem alle Lebensmittel bezeichnet, die nach den jüdischen Speisegesetzen (hebräisch „Kaschrut“) erlaubt sind. Ob etwas koscher ist, ergibt sich aus den Vorschriften der Halacha, die allgemeinen Rechtsgrundsätze bzw. die rechtliche Überlieferung des Judentums, für die Zubereitung und den Genuss von Speisen und Getränken.

M


Madrichim und Madrichot

Madrichot und Madrichim sind Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer in jüdischen Gemeinden. Sie bereiten eigenständig Aktivitäten für ihre Jugendgruppe vor, die sie dann mit den Kindern und Jugendlichen durchführen. Dazu gehören beispielsweise Ausflüge. Madrichot und Madrichim werden von der „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ ausgebildet.

Maurisch

Unter den Begriffen Maurischer Stil oder Maurische Kunst versteht man Bauwerke und Kunstgegenstände der Araber und der zeitweise mit ihnen verbündeten Gruppen in Andalusien in der Zeit des 8. bis 18. Jahrhunderts. Als „Neomaurischer Stil“ werden Bauten und Kunsthandwerk des 19. und 20. Jahrhunderts mit Bezug zur Iberischen Halbinsel (Spanien und Portugal), bezeichnet, die Formen und andere Techniken des Maurischen Stils aufnehmen

Menora

Die Menora (deutsch Leuchter, Lampe), auch bekannt als Siebenarmiger Leuchter, bezeichnet den Leuchter, der im Tempel in Jerusalem genutzt wurde. Die Menora ist auf dem Wappen des Staates Israel zu sehen.

Minjan

Minjan ist im Judentum eine Gruppe aus zehn oder mehr im religiösen Sinne mündigen Juden, die nötig ist, damit ein vollständiger Gottesdienst oder eine Beerdigung stattfinden kann.

O


Orgeln in Synagogen

Die erste Orgel wurde 1810 in einer jüdischen Einrichtung in Seesen im Harz aufgestellt. Die erste Orgel in einer deutschen Gemeindesynagoge ist 1818 in Hamburg nachweisbar. Synagogale Musik mit Orgelbegleitung gab es schon seit 1815.

1845 entschied die zweite deutsche Rabbinerversammlung, dass Orgeln in Synagogen zulässig sind. Orgelspiel im Gottesdienst spaltete viele jüdische Gemeinden, weil gesetzestreue Mitglieder damit nicht einverstanden waren. Sie empfanden es als Bruch mit jüdischen Traditionen.

Um 1900 gab es in fast allen großen deutschen Städten Orgeln in Synagogen. In den Novemberpogromen 1938 wurden die meisten der Synagogenorgeln vernichtet.

Orthodoxer Ritus

Der orthodoxe Ritus beschreibt die Ausführung des Gottesdienstes nach den Regeln, wie sie in der Tora stehen. Orthodox bedeutet gesetzestreu.

P

Pessach

Pessach (deutsch „Vorüberschreiten“), gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Das Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Oft fällt das christliche Osterfest in die zeitliche Nähe von Pessach. Das Fest beginnt mit dem Sederabend am 14. Nissan. Eine Woche lang wird anstelle von Brot Matze gegessen, weswegen es auch „Fest der ungesäuerten Brote“ heißt.

Pogrom

Der oder das Pogrom steht für die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die im Regelfall ethnischen, politischen oder religiösen Minderheiten angehören. Früher verwendete man den Begriff nur, um Ausschreitungen gegen Juden zu bezeichnen. 

Der Begriff Novemberpogrome bezieht sich auf die Ausschreitungen gegen Juden, ihr Eigentum und jüdische Einrichtungen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Purim

Purim (deutsch „Los“ bzw. „Schicksal“) ist ein Fest, das an die Rettung der Juden im Achämenidenreich erinnert.

Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr erinnert. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im damaligen persischen Weltreich an einem Tag zu ermorden. Sein Name wurde damit zum Symbol der Judenfeindschaft. Königin Ester führt jedoch durch Fasten und Gebet die Rettung herbei.

Traditionell steht zu Purim das Verkleiden im Mittelpunkt. Die Stimmung im Gottesdienst ist ausgelassen.

R


Rosch HaSchana

Rosch HaSchana (deutsch „Anfang des Jahres“) ist der jüdische Neujahrstag.

S


Schabbat

Der Schabbat ist der siebte Wochentag, an dem keine Arbeit verrichtet wird. Die Einhaltung des Ruhetages ist eines der Zehn Gebote.

Der Schabbat beginnt mit Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstag. Im jüdischen Kalender dauert der Tag vom Vorabend bis zum Abend des Tages.

Sephardische Juden

Sephardim sind Juden und ihre Nachfahren, die bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 auf der Iberischen Halbinsel (heutiges Spanien und Portugal) lebten. Nach ihrer Flucht ließen sich die Sephardim zum größten Teil im Osmanischen Reich und in Nordwestafrika nieder.

Shawuot

Schawuot (deutsch „Wochenfest“) ist das Erntedankfest, das 50 Tage, also sieben Wochen plus einen Tag, nach Pessach gefeiert wird.

Schawuot ist ein Erntedankfest, da zu dieser Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird. Außerdem feiert man den neuerlichen Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai. Als Moses die Gebote das erste Mal empfangen hatte, zerstörte er die Steintafeln mit den Zehn Geboten laut biblischer Überlieferung, weil das Volk Israel ein Goldenes Kalb anbetete. Moses ging wieder auf die Spitze des Berges Sinai, um die Gebote ein weiteres Mal zu erbitten.

Shoah oder Holocaust

Als Schoah oder Shoah (deutsch „Katastrophe“, „großes Unglück/Unheil“) oder Holocaust (deutsch „vollständig verbrannt“) wird der nationalsozialistische Völkermord an den europäischen Juden bezeichnet. Deutsche und ihre Helfer führten ihn von 1941 bis 1945 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durch, mit dem Ziel, alle Juden im deutschen Machtbereich zu ermorden. Die Shoah ist ein Menschheitsverbrechen.

Siddur

Ein Siddur ist das Gebetsbuch. Es enthält die Gebete für den Alltag und den Schabbat.

Sukkot und Sukka

Sukkot oder Laubhüttenfest wird im Herbst, fünf Tage nach dem Versöhnungstag gefeiert und dauert sieben Tage. Es liegt im September oder Oktober und ist das Erntedankfest.

Die Sukka, deutsch Laubhütte, ist in der hebräischen Bibel die Bezeichnung für eine aus Ästen, Zweigen, Laub, Stroh und Ähnlichem erstellte Hütte, die nur während des siebentägigen Laubhüttenfestes benutzt wird. Während dieser Woche wird, sofern es das Wetter erlaubt, in der Sukka gegessen und auch übernachtet. Die Sukka wird in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, als die Israeliten in provisorischen Häusern wohnten, jedes Jahr zu Sukkot gebaut. Sie steht dort, wo sich Platz für sie findet – im Garten, im Hof, auf dem Parkplatz, Balkon oder Dach. Die Sukka muss unter freiem Himmel stehen.

Synagoge

Eine Synagoge (deutsch „Versammlung“) ist ein Gebäude, das der Versammlung, dem gemeinsamen Gottesdienst und oft auch als Lehrhaus einer jüdischen Gemeinde dient.

T

Tallit

Der Tallit (Plural: Tallitot) wird auf Deutsch als „Gebetsmantel“ bezeichnet. Der Tallit ist ein meist viereckiges Tuch aus Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide. Die Farbe ist meistens weiß oder cremefarben. Oft ist der Tallit mit schwarzen oder blauen Streifen verziert.

Wesentlich für den Tallit sind die Zizijot (Singular Zizit). Die Zizijot sind vier lange weiße Fäden, die geknotet sind und als Schaufäden bezeichnet werden.

Tora

Die Tora beinhaltet den ersten Teil des Tanach – der hebräischen Bibel. Er besteht aus den fünf Büchern Mose. Im Gottesdienst wird aus der Torarolle gelesen.

Der Text ist auf Pergament handgeschrieben. Ein ausgebildeter Schreiber benötigt dafür ungefähr ein Jahr.

An jedem Schabbat wird ein Kapitel aus der Tora gelesen. Es dauert genau ein Jahr, bis die gesamte Tora gelesen wurde. Danach beginnt die Lesung wieder von vorn.

Eine Torarolle kann mehrere Jahrhunderte alt werden. Geht sie kaputt, darf sie instandgesetzt, aber niemals weggeworfen werden. Ist eine Torarolle nicht mehr zu reparieren, wird sie in einer Geniza (hebr. für Archiv) aufbewahrt oder auf dem jüdischen Friedhof begraben. Dies gilt auch für alle Bücher, die im Gottesdienst benutzt werden.

Toraschrein

Der Toraschrein, auch „die heilige Lade“ ist ein Schrein, in dem die Torarollen in der Synagoge aufbewahrt werden.

Früher existierte nur eine Nische in der Ostwand, in der die Lade aufgestellt wurde. Später nutzte man einen hölzernen Schrank. Der Schrein steht an der Vorderwand der Synagoge, die gegen Jerusalem gerichtet ist, und wird mit einem bestickten Vorhang, Parochet genannt, bedeckt.

Text: Dr. Katherine Lukat, Stadtarchiv Wiesbaden

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